Bellen gehört für jeden Hund zum Leben wie das Sprechen für die Menschen. Übermäßiges, unkontrollierbares Bellen kann jedoch für den Hundehalter zu einer unlösbaren Geduldsprobe werden. Woran es liegen kann, dass Dein Hund ständig bellt und was Du dagegen tun kannst, erfährst Du in diesem Artikel.

Formen des Bellverhaltens

Gründe dafür, dass ein Hund anfängt zu bellen, gibt es viele, denn das Bellen gehört zum normalen Kommunikationsverhalten des Hundes. Neben dem Bellen verfügt der Hund noch über weitere Möglichkeiten der Lautäußerung, wie das Winseln, das Heulen und  das Knurren. Hier soll es aber ausschließlich um unerwünschtes Bellverhalten gehen

1. Angstbellen

Angstbellen äußert sich typischerweise durch eine hohe Tonlage. Der Hund wirkt geradezu hysterisch und das Bellen kann mit Winseln oder Heulen
kombiniert sein. Neben der typischen Lautäußerung zeigt der Hund meist auch Unruhe oder Fluchttendenzen.

Hund bellt aus AngstSo hart es klingen mag, aber die Ursache für Angst und Angstbellen liegt fast immer im Hundehalter begründet. Hunde sind von Natur aus neugierig und abenteuerlustig. Sie sind keine Fluchttiere und Angst produzieren sie oft nur in für sie ausweglosen Situationen. Wird der Hund durch seinen Menschen aber entsprechend geprägt, können sich massive Verhaltensproblematiken entwickeln. Unpassendes Verhalten des Hundehalters sind neben körperlichen Züchtigungen u.a.

  • Starkes Bedrängen des Hundes, z.B. in der Welpenspielstunde
  • Einschränkung der Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit des Hundes, z.B. immer an der kurzen Leine
  • Ständiges Rucken und Zerren an der Leine, wenn jemand oder ein anderes Tier vorbei kommen, ohne dem Hund die Möglichkeit zu geben, mit der Situation selbst umzugehen

Ignoriert der Mensch in solchen und anderen Situation Beschwichtigungssignale des Hundes und erste Stressanzeichen, kann sich dieser Stress in massiven Verhaltensauffälligkeiten manifestieren. Bellt Dein Hund häufig aus Angst, kann er später auch dazu neigen, in vermeintlich harmlosen Situationen zu schnappen oder gar zu beißen.

2. Aufregungsbellen

Hund bellt vor AufregungDas Aufregungsbellen ist ein kontinuierliches Bellen, das sich durch eine hohe Tonlage äußert. Es wird begleitet von wilden Bewegungen des Hundes, wie beispielsweise Um-die-eigene-Achse-drehen und kann durch Winsen unterbrochen werden.

Bellt Dein Hund vor Aufregung, so ist dies meist mit Vorfreude oder Freude assoziiert. Typischerweise tritt es auf, wenn ein geliebter Mensch oder ein geliebtes Tier den Raum betritt. Wird die Erwartungshaltung des Hundes durch den Menschen noch weiter angestachelt (“Na, wo ist mein Junge – ach da ist mein Junge”), kann die Aufregung in übermäßiger Erregung resultieren, die sich nicht mehr mit einem einfachen Kommando stoppen lässt.

3. Verteidigungsbellen

VerteidigungsbellenDas Verteidigungsbellen ist geprägt von klaren, kurzen Lauten, die regelmäßig durch Knurren unterbrochen werden. Die Körperhaltung ist angespannt und der Hund drängt eher nach vorne. Entspannt sich die Situation nicht, kann der Hund auch beginnen zu schnappen, um den Eindringling stärker zu bedrohen und zu verscheuchen.

Besonders bei Hütehunden kann das Verteidigungsbellen auch rassespezifisch auftreten. Aber auch jeder andere Hund kann Verteidigungsbellen entwickeln, wenn er z.B. sein Territorium oder sein Futter bedroht sieht.

4. Frustrationsbellen

FrustrationsbellenBellt Dein Hund aus Frust, so äußert sich das in langanhaltendem, monotonen Bellen, das häufig in einem ausgedehnten Heuler endet. Während der Hund bellt, wandert er meist unruhig und rastlos herum.

Frustrationsbellen ist immer ein Zeichen von Stress. Es zeigt, dass Dein Hund mit einer bestimmten Situation äußerst unzufrieden ist und sollte sehr ernst genommen werden. Das monotone Bellen versetzt den Hund in eine Art Trance, in der er sein Schicksal besser ertragen kann. Steigert sich der Frust, weil sich die Situation nicht verbessert, können allerdings zum Bellen andere Verhaltensauffälligkeiten hinzukommen, wie übermäßiges Belecken oder Beknabbern verschiedener Körperstellen.

Besonders Ketten- und Zwingerhunde sind typische Vertreter des Frustrationsbellens.

5. Erlerntes Bellen

Dieses Bellverhalten soll primär eines Erreichen: Aufmerksamkeit. Es ist geprägt von kurzen, schnellen und kräftigen Lauten. Meist sieht sich der Hund dabei aufmerksam um, ob sein Verhalten von irgendjemandem registriert wird.

Erlerntes BellenDiese Form des Bellens kann für den Hundehalter sehr anstrengend werden, da einmal erlerntes Verhalten nicht so einfach wieder aberzogen werden kann. Der Hundehalter hat seinem Hund vermutlich im falschen Moment Aufmerksamkeit geschenkt und der Hund hat sich das schnell gemerkt. Diese Aufmerksamkeit muss nicht unbedingt positiver Art gewesen sein. Jede Form von Aufmerksamkeit, wie Ansprechen, Anschreien, Bestrafen oder gar nur Ansehen können dazu führen, dass der Hund das verhalten als “erfolgreich” abspeichert.

Kein pauschales Bellproblem

Du siehst, dass es kein pauschales Bellproblem gibt, das man einfach so abschalten kann. “Mein Hund bellt” ist also nicht das Problem, sondern lediglich ein Symptom eines ganz anderen Problems. Um das unangemessene Bellen abstellen zu können, ist es wichtig, das eigentliche Grundproblem zu erkennen und abzuschalten. Die Ursachensuche schließt viele Faktoren ein, wie beispielsweise, rassetypische Verhaltensmuster, Instinkte, Umwelteinflüsse, gesundheitliche Probleme, etc.

Ist die Form des Bellens identifiziert und die Ursache vielleicht sogar schon gefunden, dann geht es daran, die Ursache zu eliminieren und dem Hund das Verhalten wieder abzugewöhnen. Wie das genau funktioniert, erfährst Du im zweiten Teil der Reihe “Mein Hund bellt“.